Herr, bin ich’s?

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In Deutschland im Urlaub bin ich natürlich auch in die Kirche gegangen – ganz normal. So normal wie andere auch in die Kirche gehen, wenn sie gerade Zeit und nicht am Wochenende andere Termine haben. Am Tag zuvor hatten wir die Watzmann Ostwand durchstiegen und ich dachte mir, ein Gottesdienstbesuch danach wäre nicht nur normal, sondern auch „angemessen“. In den Beinen und Schultern war ich noch etwas steif vom Muskelkater. Aber ich habe pünktlich in Unterau den Bus nach Berchtesgaden bekommen. Natürlich falsch ausgestiegen und zu einer falschen Kirche gelaufen. Es wurde etwas später bis ich endlich den Weg zur evangelischen Kirche gefunden hatte. Noch eine Treppe hoch zum Eingang, mir stand doch der Schweiß auf der Stirn. Aber pünktlich um fünf vor halb zehn vor der Kirchentür. Ich finde ein Gesangbuch und schaue in die Kirche: Etwa vierzig ältere Menschen sitzen in den Bänken, keiner bewegt sich, keiner spricht ein Wort, Totenstille. Mit meinen 53 komme ich mir sehr jung vor. Als ich meinen Rucksack abnehme und frage, ob ich in eine Bank reinrutschen kann, schauen mich alle an. Gut ich sehe etwas wild aus. Unrasiert, im Gesicht, Nacken und Unterarme von der Sonne verbrannt. Und der Rucksack, mein kleiner Kletterrucksack, sieht auch schon nicht mehr frisch aus. Etwas unwohl fühle ich mich unter den Blicken. Keiner sagt ein Wort. Es wäre ja im deutschen Kulturraum möglich, „Hallo“ zu sagen oder weil wir in Bayern sind, „Servus“; „Grüß Gott“, würde auch gut zu einer christlichen Gemeinde passen. Nichts. Totenstille.

Ich schlage im Gesangbuch die Lieder nach, das Umschlagen der Blätter das einzige Geräusch. Ich versuche mir zu sagen, dass die Stille meditativ sei, aber eigentlich fühle ich mich etwas verloren. Verlorener als gestern in dieser riesigen Wand des Watzmann. Plötzlich setzt ungeheuer laut die Orgel ein. Eigentlich liebe ich Orgel, nichts vermisse ich in Südafrika so wie richtige Orgeln und Leute, die sie gut spielen können. Aber diese Orgel ist nach der Totenstille einfach nur brutal laut. Der Diakon eröffnet den Gottesdienst „Im Namen des Vaters …“ Schön, dass ich mitsprechen kann. Der Diakon macht alles in diesem Gottesdienst, singt ganz ordentlich die Liturgie, spricht die Gebete, liest die Bibeltexte – er macht es allein. Wahrscheinlich ist er allein, da vorne. Die Gemeinde singt ein bisschen, man kann ab und zu Stimmen zwischen den Tönen der Orgel hören. Am deutlichsten ist ein anderer Pfarrer, der „EKD-Urlaubspfarrer“ zu hören. Er nickt und lächelt dem Diakon zu. Er ist der einzige dessen Beteiligung am Gottesdienst sichtbar wird: Sein Nicken, sein Lächeln.

Der Diakon kommt zur Predigt. Ich habe mir überlegt, ob es nicht einfach reicht, nichts über die Predigt zu sagen. Aber ich bin ja in die Kirche gegangen, weil ich gerne ein Wort gehört hätte. Ich bin dankbar, dass ich es geschafft habe die Watzmann Ostwand hoch und ins Wimbachgries hinunter zu kommen. Ich wollte eigentlich Gott fröhlich Bescheid sagen, dass er das gut gemacht hat, auf mich aufzupassen und dass ich dankbar bin und glücklich. Diese Freude über Gott kam bis dahin im Gottesdienst nicht zur Sprache. Gut, nicht alle Psalmen und alle Lesungstexte sind fröhlich. Aber die Stimmung im Gottesdienst ist niedergedrückt und die Predigt ändert daran auch nichts, im Gegenteil. Irgendwie neben vielen Nebenthemen geht es darum, dass es weniger Menschen werden in der Kirche, dass Kirche stirbt. Ja, da deckt sich der Inhalt mit der Form, mit dem wie sich diese Gemeinde diesen Sonntag erlebbar macht. Aber über mögliche Ursachen wird keine Auskunft gegeben – dabei gibt’s die „5. EKD-Erhebung über Kirchenmitgliedschaft“ im Internet, umsonst. Man muss sie nur noch lesen (http://www.ekd.de/download/ekd_v_kmu2014.pdf). Schon der erste Abschnitt, „Kirchenmitglieder als religiöse Akteure“, könnte einen nachdenklich machen

Statt die eigene gottesdienstliche Praxis wahrzunehmen, wird eine alte Geschichte bemüht: „Die Kirche ist tot. Ihr Sarg steht vor dem Altar. Und im Sarg siehst du dich selbst im Spiegel“. Irgendwann war die Geschichte sicherlich eine nette Idee. Aber kann man sie jetzt bitte ein für alle Mal löschen, vollständig aus dem Verkehr ziehen – und die Parabel von den „Spuren im Sand“ bitte gleich mit?

Die Geschichte ist in ihrer Naivität falsch. Keiner der etwa vierzig alten Menschen, die in dieser Gemeinde am Sonntag den Gottesdienst besuchen, hat bewusst entschieden, dass ihre Kirche sterben soll. Ihr Problem ist ein anderes: Sie verstehen nicht, wie ihr eigenes Verhalten, ja, vielleicht sogar das, was sie als ihre ureigene Gottesdienstkultur verstehen, andere davon abschreckt, in dieser Gemeinde sonntags vorbei zu schauen, um nach Gott zu suchen. Aber vielleicht will sich diese Gemeinde gar nicht öffnen, nicht den vielen jungen Menschen in Berchtesgaden, nicht den vielen und sicherlich manchmal anstrengenden Touristen? Auch das haben sie nicht bewusst entschieden, es passiert ihnen „einfach so“. Und damit erreicht die Gemeinde dann doch genau das, was der Diakon in der Predigt beschreibt: Sie werden als Gemeinde gemeinsam sterben.

Am Ausgang reicht mir der Diakon die Hand, aber er schaut schon in eine andere Richtung. Niemand bleibt vor der Kirche stehen, niemand spricht mich an. Ich denke, ich kann mit einer älteren, weißgelockten Dame die Treppe runter in die Stadt gehen und frage freundlich, „Müssen Sie auch die Treppe runter?“ Sie nickt, beschleunigt ihre Schritte und eilt behände in die Stadt.

Vielleicht sieht man mir doch an, dass ich aus Afrika komme und die Leute haben Angst, dass ich sie mit AIDS oder Ebola anstecke …

Medupi! – Kein Strom …

Der Teich läuft über und es regnet weiter

Der Teich läuft über und es regnet weiter

Das tolle an anderen Sprachen ist, dass es Wörter für ganz bestimmte Phänomene in der Natur gibt, die sich nicht so richtig passend übersetzen lassen:

Medupi: Normalerweise regnet es hier so als wenn man mit einem 6-Liter Eimer versucht eine zierliche Blumenvase nachzufüllen: Es platscht und pläddert und das Wasser steht auf dem Teppich. Dann ist der Eimer leer und es regnet erst mal nicht mehr. Die Sonne trocknet alles und nach einer halben Stunde erinnert nichts mehr daran, dass es mal geregnet hat. Das ist der Normalfall.

Dann gibt es aber noch Medupi – und der Regen ist anders: Er ist sanft und leise und regnet und regnet. Nun regnet es schon seit sieben Tagen und mindestens fünf Tage soll es noch weiter gehen. Am ehesten kann man das Tswana Wort wohl mit „Landregen“ übersetzen.

Mir gefällt das! Die Luft ist herrlich feucht und frisch. Manchmal ist hier die Luftfeuchtigkeit hier unter 20 %, das finde ich schon anstrengend. Jetzt melden die Wetterstationen 100 % – aber schwimmen müssen wir noch nicht!

Allerdings bereitet diese Feuchtigkeit einige Probleme: Das Salz klumpt, selbst das Mehl rieselt nicht mehr. Das Papier fühlt sich labbrig an, reißt und verstopft die Drucker. Und die Kohle ist nass. Das ist nun wirklich problematisch.

Kohle wird in Mpumalanga im Tagebau abgebaut. Unglaublich für uns Nordrhein-Westfalen: Man muss nicht bis in 1.200 m Tiefe graben, sondern nur ein bisschen Erde zur Seit kratzen und dann hat man einen 5 – 10 m starken Kohleflöz. Wenn ich an unsere Bergleute und deren harte und gefährliche Arbeit denke, bin ich wirklich neidisch. Die Kohleminen sehen aus wie Sandgruben bei uns und haben noch weniger Maschinen: Einen Bagger zum Aufladen der Kohle und ein paar Lastwagen, die die Kohle gleich um die Ecke zum Kraftwerk fahren. Und eine Baracke für Verwaltung und für die Mittagspause der Arbeiter. Frost gibt es nicht, sondern 90 % des Jahres Sonnenschein.

Der neue Pflaumenbaum ist vom Regen etwas verwirrt - er hat jetzt im Herbst noch mal geblüht und setzt tatsächlich Früchte an. Nun gut: Pflaumenkuchen passt in die Zeit!

Der neue Pflaumenbaum ist vom Regen etwas verwirrt – er hat jetzt im Herbst noch mal geblüht und setzt tatsächlich Früchte an. Nun gut: Pflaumenkuchen passt in die Zeit!

Wenn nun aber Medupi kommt, dann wird es schwierig: Die Kohle ist seit Tagen schon nass, in den Kraftwerken lässt sich die nasse Kohle schwerer verbrennen – sie muss ja erst trocknen bevor sie brennen kann. Also leisten die Kohlekraftwerke weniger und das ohnehin angespannte südafrikanische Stromnetz rauscht in die Überlastung. Gestern gab es in zahlreichen Stadtteilen in Johannesburg keinen Strom – und heute sind anscheinend wir dran. Seit elf Uhr keinen Strom … ich schreibe jetzt auf den Notebook solange der Akku hält …

„Medupi“ ist auch der Name eines großen südafrikanischen Prestigeprojektes: Ein neues,  gigantisches Kohlekraftwerk in Mpumalanga. Es sollte schon längst fertig und der erste Block am Netz sein. Aber wie es mit Großprojekten so geht: Alsthom, Frankreich, schaffte es nicht die Steuerung des Hitachi-Brennkessels fertig zu stellen. Nun soll Siemens ran. – Allerdings, nach den Erfahrungen mit dem Siemens-ICE 3 für Die Bahn und den Straßenbahnen für München … So überzeugt, dass deutsche Ingenieurskunst meine Stromversorgung in Midrand sichert, bin ich nun nicht mehr!

Und so stürzt uns der Medupi-Regen in den Stromausfall, weil das Medupi-Kraftwerk nicht fertig ist.

So ein Mist!

Ein Auge mit Viraler Conjunctivitis

Ein Auge mit Viraler Conjunctivitis

Windpocken zu kriegen ist für Kinder normal – als Erwachsener nicht so lustig.

Hier gibt es „Pink Eyes“, eine virale Bindehautentzündung – das kriegen auch Kinder und sind dann in der Regel immun. Wenn man nun aber keine Kindheit in Südafrika erlebt hat, dann kriegt man diese juckenden und nässenden Augen als Erwachsener. Überhaupt nicht lustig!

Alle behandeln einen wie ein Aussätziger, denn die Krankheit ist hoch infektiös. Die Viren überleben eine Weile auf allen Flächen, die man mit der Hand berührt hat. In beiden Gemeinden waren die Kirchen voll, ich habe am Sonntag so um die 280 Hände geschüttelt – klasse! Nun wollte nicht mal der Arzt mir die Hand geben.

Immerhin hat mir der Arzt eine Din A4 Seite Medikamente aufgeschrieben: Sechs verschiedene, die im Wechsel, jeweils vierstündig ins Auge getropft oder geschluckt werden sollen. Ich dachte nur Senioren kriegen solche Overkill-Medikamenten-Türme.

Was ich da tropfe und schlucke weiß ich nur teilweise. Ersten bin ich ja dafür Generika zu nehmen, zweitens finde ich das gut, dass man in Südafrika, wenn der Arzt 20 Ampullen Augentropfen aufschreibt, auch 20 Ampullen abgefüllt bekommt und nicht eine Packung mit 50 – und die restlichen 30 Ampullen schmeißt man zur Umsatzsteigerung der Pharmaindustrie weg, nachdem sie drei Jahre das Apothekenschränkchen im Badezimmer verstopft haben. Soweit so gut. Nun aber habe ich die Liste des Arztrezeptes in der einen Hand und vor mir die Ampullen und Döschen, auf denen aber ganz andere Namen stehen. Was ist nun was? Bei den abgefüllten Döschen gibt es natürlich keine Beipackzettel …

Ich bin genervt. Ich hatte gerade wieder angefangen zu laufen und das Gefühl beim Laufen wurde allmählich besser, weniger angestrengt – bei 28° auf 1.600 m Höhe. Und tausend Ideen für die Zeit bis Ostern, die darauf warten aufgeschrieben und organisiert zu werden. Nun diese triefenden und juckenden Augen und ein matschiger Kopf. – Ich bin so genervt!

Tatort „Franziska“ und die Hähne

Tatort Franziska

Es gab das Interesse, Neues von unserem Federvieh zu hören.

Beide Gänseküken, die von ihrer Mutter abgelehnt wurden, sind nicht durchgekommen. Eins starb am zweiten Tag, das andere Küken hatte ich versucht aufzuziehen, aber als es dann nach zwei Wochen für zehn Minuten unbeaufsichtigt im Gehege war, ist es – vermutlich – von den anderen Gänsen getötet worden: Ein Hieb gegen den Kopf hatte Haut und Gefieder durchschnitten und wahrscheinlich Schädel oder Genick gebrochen.

Ja, es geht nicht sehr romantisch zu unter Federvieh!

Dafür sind die Hühner ziemlich pfiffig. Ich hätte gerne Eier. Die Hennen aber wollen brüten. Im Hühnerstall und im Gänsebrutstall brüten nur die Dummen. Das Gehege ist so groß und mit so vielen wilden, hohen Kräutern bestanden; der Zaun ist hier und da durchlässig: Ich komme meistens zu spät. Dann sitzen die Hennen schon auf den Eiern, brüten und schauen mich mit einem Gesichtsausdruck an: „Du wirst mich doch jetzt nicht beim Brüten stören!“ – Ich weiß nicht, ob sie auf Englisch oder Setswana schauen oder denken. Jedenfalls ist es den beiden alten Hennen gelungen schon wieder zu brüten, die schwarze Henne jetzt zum dritten Mal!

Es sind mittlerweile also etwa dreißig Hühner und jetzt noch mal 16 Küken.

Es ist also klar, es muss geschlachtet werden. Wen trifft es? Natürlich die Hähne! Aber so einfach ist das nicht. Wenn ich mich ins Gehege hocke, um zu beobachten, wohin die Hennen zum Eierlegen verschwinden, dann wissen die Hühner, dass von mir keine Gefahr ausgeht.

Aber Hähne fangen! Einen Hahn zu kriegen erfordert mindestens eine Viertelstunde Jagd. In Not fliegen sie zwei, zweieinhalb Meter hoch. Da macht man zumeist keine sehr glückliche Figur am Boden. Und das bedeutet auch, dass man sie besser nicht an den Außenzaun treibt, dann sind sie nämlich weg. Also durchs Gehege, durch die Dornen, durch die Kräuter – hoffend dass die Schlange gerade auf Urlaub ist – solange bis der Hahn erschöpft ist, etwa nach einer Viertelstunde. Dann versteckt er sich unter altem Schilf am Teich, unter einem Busch und man hat eine Chance.

Aber: Nun kommt der Tatort „Franziska“ ins Spiel.

Im Tatort sagt gegen Ende – und da spätestens weiß man, dass er Franziska ermorden wird – Daniel Kehl (Hinnerk Schönemann), dass er in den Augen seiner Opfer sieht, wenn sie aufgeben um ihr Leben zu kämpfen und sich in ihren Tod fügen.

So schauen auch die Hähne.

Sie kriegen jetzt zwei Wochen Lebens-Verlängerung. Bis ich nicht mehr den Tonfall von Hinnerk Schönemann im Ohr habe!

„Halt die Klappe!“

„Halt die Klappe!“
Manchmal geht es nicht anders als drastisch. Martin Luther schreibt im Kleinen Katechismus über das Gebot, “Nicht falsch Zeugnis reden!“:
„Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsern Nächsten nicht belügen, verleumden oder seinen Ruf verderben, sondern sollen ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum Besten kehren.“
Martin Luther bleibt nicht bei Verboten: „Nicht Lügen, Verleumden, Ruf Verderben!“ Darauf könnte sich jeder noch einlassen. Erwartet man ja auch von Menschen, die sich Christen nennen.
Obwohl, wenn wir ehrlich sind: Jede Form von Klatsch ist zu 80 % Prozent das Verbreiten von üblen Nachrichten über andere. Und die anderen 20 % sind nur anscheinend positive Nachrichten. Wer erzählt: „Deren Kind hat das zweitbeste Abitur gemacht“ oder: „Die haben ein neues Auto“, erzählt das meistens nicht, um sich mit „denen“ gemeinsam zu freuen, sondern drückt seinen Neid aus: „Woher die nur das Geld haben!“
Nun sagen Soziologen, Klatsch hat eine identitätsstiftende Funktion für eine soziale Gruppe. Aber mal ehrlich: Wer möchte wirklich zu einer Gruppe gehören, die ihre Identität dadurch gewinnt, dass sie über andere herzieht? Das wird dort eine richtige gemütliche und kuschelige Atmosphäre sein. Dann vielleicht doch lieber unter Wölfen leben!
Um es in Luthers Stil zu sagen: „Wenn du keine positiven Neuigkeiten über jemanden erzählen willst, halt die Klappe!“
Neuigkeiten wirklich positiv zu erzählen, darauf zielt Martin Luther. Nicht nur „Gutes von ihm reden“, sondern sogar „ihn entschuldigen“ und „alles zum Besten kehren“. Das macht Arbeit. Da muss man sich die Mühe machen jemanden zu verstehen, warum der das so und nicht anders versucht hat zu machen. Und wenn man sich diese Mühe gemacht hat, dann bekommt man sogar eine Idee, warum das schief gegangen sein könnte. Dann braucht man nur noch eine ruhige Minute abzuwarten und kann ihm oder ihr seine Idee erzählen. Vielleicht ist das wirkliche die Lösung für ein Problem – und für alle wird das Leben leichter!
Was macht man mit Leuten die notorisch üblen Klatsch verbreiten? Eine Kinokarte schenken. Dann haben sie die Chance selbst etwas Interessantes und Neues zu erleben und müssen nicht nur über anderer Leute Neuigkeiten reden. Ansonsten den freundlichen Rat geben: Halt die Klappe!

Für Westdeutsche Zeitung, Ausgabe Mettmann
Michael Diezun

Gänse Drama

Was tun, wenn eine Gans nicht zu Ende brütet? Wenn sie einfach das Nest sich selbst überlässt?

Das ist doch ein spannender Moment als das Küken sich ins freie kämpft - aber die Gans will ihr Küken nicht haben.

Das ist doch ein spannender Moment als das Küken sich ins freie kämpft – aber die Gans will ihr Küken nicht haben.

Da ist schon eines der Küken gestorben

Da ist schon eines der Küken gestorben

Am Dienstag und Mittwoch sind schon je ein frisch geschlüpftes Küken gestorben. Am Donnerstag sind zwei geschlüpft und versuchen unmittelbar danach auf die Gänse, ihre Mutter, die andere Gans, die schon drei Küken aufzieht und den Ganter zu zu laufen. Aber ihre Mutter zischt mit gesenktem Schnabel auf sie zu und hackt auf sie ein. Ich war ehrlich geschockt.
Grandwell, der Gardener, und ich trocken sie und tatsächlich kommen sie auf die Beine. Nach einer Weile kommt die andere Gänseschar in den Teich und die beiden springen in den Teich und schwimmen auf sie zu. Aber alle Gänse versuchen sie unter Wasser zu drücken und zu ertränken.

Eins der Küken ist etwas schwächer ...

Eins der Küken ist etwas schwächer …

Für einen Moment ist Ruhe, aber als sie dann in den Teich springen zu den anderen ...

Für einen Moment ist Ruhe, aber als sie dann in den Teich springen zu den anderen …

Keine Ahnung, was dazu geführt hat. Wir hatten ein paar unruhige Nächte. Eine Nacht ging die Alarmanlage zweimal los, die Gänse und Hühner wurden sehr laut und Zak war so aufgeregt, dass er noch eine halbe Stunde später gebellt hat. Wer weiß, was da draußen im Garten los war. Ob die Schlange oder ein anderes Kleinraubtier die Gans vom Nest verjagt hat und mit ihrem Geruch das Nest markiert hat?

Jedenfalls Drama!

Jetzt habe ich die Gänseküken reingeholt. Das wird ja heiter, Gänse mit der Hand aufziehen. Alle Besucher aus der Gemeinde heute waren ganz gerührt von den Küken, die in ihrem Korb auf dem Esszimmertisch standen – sicher vor Zak.

Das halb ertränkte Küken ist noch immer nass. Sieht ein bisschen kitschig aus - nicht wahr?

Das halb ertränkte Küken ist noch immer nass. Sieht ein bisschen kitschig aus – nicht wahr?

Da die Rabenmutter ihre Küken nicht aufziehen will, ist sie in Grandwells Kochtopf gelandet. Entweder Brut- oder Schlachtgans – in der Hinsicht sind wir eine Farm hier.

Schon gewählt!

Am Montag hatte ich Post aus Ratingen: Die Wahlunterlagen. – Irgendwie ist das anstrengend von den Wahlen nur aus der Ferne etwas mitzukriegen. Jetzt mein Part, mich zu beteiligen. Das ist nicht gerade viel. Aber das Wenige, genieße ich wie selten zuvor: Zwei Kreuze zu machen. Nicht, dass mich der Ort an den die Kreuze kommen überraschen würde. Vielleicht bin ich ja einer der letzten Stammwähler – aber in diesem Sinne konservativ zu sein, gefällt mir.

Der Wahlschein fliegt, nach DUS!

Der Wahlschein fliegt, nach DUS!

Dann zu PostNet. Den Wahlbrief nur als normalen Brief aufzugeben, war mir etwas riskant. Könnte klappen, könnte aber auch nicht in Deutschland ankommen. Bei den letzten Wahlen war es sehr knapp im Wahlkreis und wenn dann mein Wahlbrief auf den Philippinen kompostiert wird, würde ich mich schwarz ärgern! Also mit DHL und Tracking Nummer nach Ratingen. Dafür muss nun irgendjemand in der Minoritenstraße den Wahlbrief von DHL mit Unterschrift in Empfang nehmen.

Billig war das nicht gerade, 280 Rand. Aber Demokratie darf ruhig was kosten!

Dann euch mal noch einen schönen Wahlkampf. Und geht auf jeden Fall wählen. Dass alle gleich sind, ist wirklich nur dummes Gequatsche!

Und dir, Kerstin Griese, http://kerstin-griese.de/, wünsche ich, dass du am Wahlabend entspannt ins Bett gehen kannst, weil alles ganz früh klar ist.

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